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Telekoms Rechnung zur 75 GB-Drosselung in der Kritik

Geschrieben am 27.05.2013, 09:14 Uhr von

DSL-Drosselung: 75 GB Traffic Nutzung korrigiert von Martin Schmitt

Kein Thema ist derzeit im Netz so umstritten wie die DSL-Drosselung der Telekom. Ab Mai will der Telekommunikationsanbieter eine Datenbremse einführen: Ab 75 GB pro Monat wird für viele Kunden Schluss mit Highspeed-Surfen sein. Das muss ausreichen, so die Telekom. Sie hat dazu eine Infografik veröffentlicht, die zeigen soll wie viel Nutzer mit 75 GB Traffic im Monat machen können. Hat sich die Telekom das schön gerechnet?

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Mit ihrer Bekanntgabe zur Einführung der DSL-Drosselung vor einem Monat machte sich die Telekom bisher kaum Freunde. Wer in Zukunft bei seinem DSL-Anschluss das Datenvolumen von 75 GigaByte pro Monat überschreitet, muss mit nur 384 kbit/s weitersurfen oder eine zusätzliche Gebühr entrichten. Damit werden typische DSL-Flatrates immer teurer. Die Telekom will von ihren Plänen trotz Protesten nicht abrücken. Zuletzt hatte Chef René Obermann die DSL-Volumengrenze verteidigt. Nun setzt man weiterhin auf Aufklärung: Es wurde eine Infoseite „Netz der Zukunft“ eingerichtet. Kunden können sich dort informieren. Gegenüber der WELT hat Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme sich im Interview geäußert, dass man „die Preise für den weitaus grössten Teil der Kunden stabil halten will“, heißt es auf der Infoseite.

Sind Telekoms Infografiken schön gerechnet?

Um zu verdeutlichen, dass die meisten Nutzer mit den von der Telekom festgesetzten Download-Grenzen auskommen, hat die Telekom Infografiken für die Grenzen „75 GB“ (gelten für DSL 16 Mbit), „200 GB“ (VDSL 50 Mbit) und „400 GB“ (Glasfaser 200 Mbit) veröffentlicht. Zur Verdeutlichung haben wir alle drei Infografiken eingebunden:

Telekom 75 GB Infografik

Telekom 75 GB Infografik

Telekom 200 GB Infografik

Telekom 200 GB Infografik

Telekom 400 GB Infografik

Telekom 400 GB Infografik


Pro Monat kann ein Nutzer der Infografik nach mit 75 GB Datentraffic 26 Stunden Videostreams nutzen (davon 6 Stunden in HD), 60 Stunden Webradio hören, 400 Fotos in hoher Qualität anschauen, 16 Stunden im Internet spielen, 50 Downloads machen, 1.000 Webseiten aufrufen und 200 Musiktitel herunterladen. Wer innerhalb dieser Rechnung bleibt – und das sollen die meisten User sein – kommt mit dem vorgegeben Traffic aus, so die Telekom. Wie so oft, muss auch hier das Kleingedruckte gelesen werden:

„Alle Daten sind ca.-Angaben und basieren auf dem Durchschnittsvolumen je Anwendung. Die Werte können je nach Komprimierungsprogramme/Datenqualität abweichen.“.

Twitterer Martin Schmitt hat die von der Telekom berechneten Werte sich angeschaut und auf eine vierköpfige Familie umgerechnet. Das Resultat sieht nicht mehr ganz so rosig aus.

DSL-Drosselung: 75 GB Traffic Nutzung korrigiert von Martin Schmitt

DSL-Drosselung: 75 GB Traffic Nutzung korrigiert von Martin Schmitt

Aus 20 Stunden Videostreams werden nur noch winzige 13 Minuten pro Kopf. Statt 400 Fotos kann sich ein Familienmitglied nur noch 3 Fotos in hoher Qualität anschauen. Der Sohn kann statt 16 Stunden nur noch 8 Minuten im Netz zocken. Einige Online-Games sind 35 GigaByte groß. Das zeigt, dass knapp die Hälfte des Daten-Traffics bereits mit einem Download erreicht sein kann. Die Tochter müsste sich mit nur 1,5 statt 200 Musiktiteln begnügen und jedes Mitglied nur 8 statt 1.000 Webseiten aufrufen. Der Haussegen dürfte spätestens dann schief hängen, denn wer mehr surft, muss das dann im Schneckentempo machen.

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Timo Zudjak

Chefredakteur
Timo ist Chefredakteur auf DSL-Stadt. Er ist selbst auch Autor und schreibt hier über News zu LTE (Long Term Evolution) und immer wenn es etwas Neues im DSL-Bereich zu berichten gibt. Er ist der Ansprechpartner für alle anderen Redakteure aus dem Team.
tag_blue Schlagwörter: Drosselung, DSL, Kritik, Telekom
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