DSL-News

Telekom-Chef Obermann verteidigt DSL-Volumengrenze

Geschrieben am 29.04.2013, 13:00 Uhr von

DSL-Drosselung der Telekom Nachdem die Telekom ankündigte bei DSL Daten-Obergrenzen einzuführen, war der Aufschrei der Kunden groß. Im Internet ist ein regelrechter Shitstorm in’s Rollen gekommen. Telekom-Chef René Obermann verteidigt die DSL-Drosselung für Mega-Surfer in einem offenen Brief. Gerichtet hat er ihn an Wirtschaftsminister Rösler. Zunächst sollte die Drosselung nur für Neukunden gelten. Nun können aber auch Altkunden davon betroffen sein.

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Wie das abläuft? Es gibt derzeit 11 von 12 Millionen Bestandskunden der Telekom, die einen analogen Anschluss haben, der die IP-Technologie noch nicht nutzt. Bis 2016 sollen alle Anschlüsse auf IP-Technologie umgestellt werden. Telefonie wird fortan per Voice-over-IP übertragen. Die Telekom sieht das als Neuvertrag. Hierfür wird die Telekom vermutlich Briefe mit einer Ankündigung versenden, dass ihr Altanschluss gekündigt wird. Das dürfte für den nächsten Aufreger sorgen. Bereits jetzt hat die Telekom im Netz den Spitznamen „Drosselkom“ weg. Viele sehen außerdem die Netzneutralität gefährdet, weil Telekom-eigene Dienste bei der Berechnung nicht berücksichtigt werden.

Ab 02. Mai sollen alle Neuverträge bei der Telekom mit einem monatlichen begrenzten Daten-Volumen daher kommen. Kunden, die mehr Traffic verursachen, werden gebremst: Sie können nicht mehr mit voller DSL-Geschwindigkeit surfen. Der Betreiber vom Pottblog hat bei der Telekom nachgefragt:

Das heißt im Endeffekt sind 11 Mio Breitbandkunden demnächst von der möglichen Drosselung betroffen, da die nicht IP-Kunden nach Telekom-Auskünften bis 2016 alle umgestellt werden. Diese bekommen nach meinen Informationen neue Verträge – die dann mit den neuen Regelungen ausgestattet wären. Oder irre ich mich da?

Antwort der Telekom:

[…] von der Volumenbegrenzung ist bis 2016 faktisch niemand betroffen, weil wir sie bis dahin nicht technisch umsetzen werden. Und selbst wenn sie umgesetzt ist, werden die allermeisten Kunden davon nichts merken, weil die Inklusivvolumina ausreichen. Wenn das Volumen nicht reichen sollte, können die Kunden problemlos Highspeedvolumen nachbuchen – wie im Mobilfunk auch.

Dementiert hat die Telekom nicht, dass Altverträge auf mit den neuen DSL-Drosselungen versehen sind. Alles deutet daraufhin, dass die Telekom versucht die Drosselung bei allen 12 Millionen Kunden einzuführen. Die Mehrheit dürfte dies unserer Einschätzung nach nicht merken.

René Obermann verteidigt Pläne der Telekom

Rene Obermann Telekom-Chef

Telekom-Chef: Rene Obermann

Im offenen Brief an Wirtschaftsminister Rösler bezeichnet Obermann die Pläne als „fair“. Lediglich 3 Prozent der Kunden sollen von der DSL-Drosselung betroffen sein. 97 Prozent würden davon nichts mitbekommen und gleichzeitig von Preiserhöhungen verschont bleiben. Bei den drei Prozent betroffenen Kunden kommt ein 10 bis 20 mal höherer Daten-Traffic zustande. Ein durchschnittlicher Kunde verbraucht nur 15 bis 20 GigaByte pro Monat, so Obermann.

René Obermann äußert sich auch zu den Vorwürfen die Telekom würde mit der Datenbegrenzung Wettbewerber benachteiligen. Mit Entertain bietet die Telekom keinen typischen Internetdienst an, so Obermann. Vielmehr sei Entertain eine eigene Fernseh- und Medienplattform, die von deutschen Landesmedienanstalten reguliert wird. Kunden zahlen dafür eine separate Gebühr. Dienste wie Telekom-Cloud und Videoload fließen dagegen in die Berechnung mit ein.

Welche Auswirkungen die Telekom-Drosselung für Online-Spieler hat, haben die Kollegen von PC-Games in einem Video-Clip veranschaulicht:

Online-Petition gegen Telekom-Drosselung gestartet

Was können Kunden tun? Nicht viel, werden viele denken. Es kann aber politisch Druck auf die Telekom ausgeübt werden. Im Netz ist eine Petition gestartet, die die Drosselung der Surfgeschwindigkeit stoppen will. Mehr als 100.000 Unterzeichner hat sie bereits – darunter ver.di Netzpolitik, BASIC thinking, Klaus Eck und Jürgen Siebert. Wer gegen die Telekom-Drosselung ist, kann selbst unterschreiben. Ob die Telekom der politischen Forderung nachkommt, ist allerdings völlig unsicher.

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Maria Tuchajew

Redakteurin
Maria ist aktuell unsere einzige RedakteurIN. Sie interessiert sich um Internet via Funk und Satelliten-Internet. Ihr Fachgebiet sind also die typischen DSL-Alternativen, wenn DSL oder Kabel-Internet nicht möglich sind.
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