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DSL-Drosselung bei der Telekom oder Abschaffung der DSL-Flatrates

Geschrieben am 24.04.2013, 08:26 Uhr von

DSL-Drosselung der Telekom

Wer viel im Internet surft, hat bei der Deutschen Telekom AG bald Probleme: Kunden sollen ähnlich wie bei mobilem Internet nur bis zu einem bestimmten Datenvolumen mit vollem DSL-Speed surfen können. Wir berichteten bereits im März über ein mögliches Ende der DSL-Flatrates. Ist das Datenvolumen aufgebraucht, müssen Kunden extra zahlen, um wieder flott zu surfen. Werden auch andere Anbieter die DSL-Flatrates abschaffen?

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Ab 2. Mai ist es soweit: Die Deutsche Telekom AG will nur noch Breitbandinternetzugänge mit begrenztem Datenvolumen anbieten. Das was wir bereits von den Handyverträgen kennen, wird auch bei den Internetverträgen der Telekom zum Standard. Bei Handyverträgen ist meist nach zwei oder fünf Gigabyte Schluss mit Highspeed-Surfen. DSL, VDSL und Glasfaser werden ab Anfang Mai ebenfalls mit keine echten Flatrates mehr angeboten. Wer sein definiertes Datenvolumen aus dem Vertrag ausgeschöpft hat, wird nur noch mit 384 kbit/s surfen können. Wer sich das für den VDSL-Anschluss (50 Mbit/s) durchrechnet, wird eine Reduzierung von über 99 Prozent feststellen.

Konkret sehen die Änderungen so aus:

DSL-Drosselung der Telekom

DSL-Drosselung der Telekom

  • 16 Megabit pro Sekunde: 75 Gigabyte
  • 50 Megabit pro Sekunde: 200 Gigabyte
  • 100 Megabit pro Sekunde: 300 Gigabyte
  • 200 Megabit pro Sekunde: 400 Gigabyte

Wer in einem Monat darüber hinaus kommt, schaut in die Röhre. Für viele Dienste wie Youtube-Videos in HD ist damit Schluss. Denn mit 384 kbit/s sind wir zurück im DSL-Steinzeitalter. Viele sollte die Bremse laut Telekom nicht treffen. Bei 15 bis 20 Gigabyte liegt der Durchschnitt derzeit nach Unternehmensangaben. Dennoch dürften heute viele über den Volumengrenzen liegen. Das wird auch die Telekom ausnutzen, um weitere Einnahmequellen zu sichern: Kunden werden sich Traffic dazukaufen können. Genaue Preise dafür gibt es aber noch nicht.

Will die Telekom die Konkurrenz mit der DSL-Drosselung ausschalten?

Mit der Neuerung dürfte die Telekom allen Privathaushalten auf die Füße treten. Kunden könnten daraufhin zur Konkurrenz abwandern. Wenn Sie können! Auf dem Land ist die Telekom oftmals der einzige Anbieter. Daher werden viele Kunden die Tarifeinschränkungen akzeptieren müssen. Verschont bleiben Entertain-Kunden. Sie haben Kabel, Antenne und Satellit den Rücken zugekehrt und sollen weiterhin die DSL-Flatrates behalten. HD-Fernsehen verbraucht aber auch viel Traffic. Hier wäre eine Nutzung mit 386 kbit/s unmöglich. Ärgerlich könnte dies für Kunden werden, die einen Telekom-Vertrag haben, aber zur Konkurrenz (wie Amazons Lovefilm oder iTunes) gehen. Sie werden schon bald an die Volumengrenze stoßen und werden dadurch benachteiligt. In Sachen Netzneutralität schafft das erneut Zündstoff. Experten vermuten, dass die Telekom mit einigen Anbietern Verträge abschließt, damit deren Daten und Dienste nicht in die Trafficberechnung eingehen. Eine weitere Einnahmemöglichkeit für die Telekom.

Umsetzung der Drosselung ab 2016

Bereits jetzt sind bei Call & Surf Tarifen per VDSL und Glasfaser die Traffic-Grenzen vermerkt. Ab 2. Mai sollen diese auch bei anderen DSL-Verträgen dabei stehen. Allerdings werden die Änderungen noch nicht in der Praxis umgesetzt. Die Telekom schätzt, dass die Limitierung ab 2016 technisch eingesetzt wird. Bis dann sollte die Datenmengen im Internet sich vervierfachen. Für Netzbetreiber geht das mit einer Netzaufrüstung in Milliardenhöhe einher. Alleine die Telekom will in den Netzausbau sechs Milliarden Euro in den nächsten Jahren investieren. Wer einen alten Telekom-Vertrag hat, bleibt von der Drosselung verschont.

Telekom folgt Kabel Deutschland – folgen bald auch andere Anbieter?

Außer der Telekom hat auch TV-Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland im vergangenen Jahr eine Speed-Bremse eingebaut. Nutzer, die viel über Tauschbörsen laden, werden bei KDG ausgebremst. Ab zehn Gigabyte kann bei ihnen Schluss mit Highspeed-Surfen sein. Die Frage ist: Werden andere Anbieter wie Vodafone, 1und1, o2, Congstar und Tele2 nachziehen und ebenfalls Traffic-Bremsen einbauen?

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Konstantin Matern

Geschäftsführung & Leitung
Konstantin machte bereits 2003 bis 2007 seine Ausbildung bei der Deutschen Telekom AG. Heute betreibt er verschiedene Portale im Bereich der Telekommunikation. Auf DSL-Stadt.de schreibt er über verschiedene Themen und setzt sich für den Breitbandausbau (auch auf dem Land) ein.
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